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Unternehmensbezogene Risikoermittlung

Facility Management: Security » Sicherheit » Unternehmensbezogene Risiken » Risikoermittlung

Risikoermittlung im Unternehmenssicherheits‑Prozess des Facility Managements zur Identifikation und Bewertung sicherheitsrelevanter Gefährdungen

Unternehmensbezogene Risiken systematisch ermitteln

Wirksame Unternehmenssicherheit beginnt nicht mit Kameras, Zutrittskontrollen oder Sicherheitsdiensten, sondern mit der Frage: Welche Ereignisse können die wesentlichen Werte, Prozesse und Schutzziele des Unternehmens beeinträchtigen? Erst eine strukturierte Risikoermittlung schafft die Grundlage dafür, Sicherheitsmaßnahmen angemessen zu planen und Investitionen nachvollziehbar zu priorisieren.

ISO 31000 beschreibt Risikomanagement als einen organisationsweit integrierbaren Prozess aus Identifikation, Analyse, Bewertung, Behandlung, Überwachung und Kommunikation von Risiken.

Unternehmensrisiken systematisch erkennen und bewerten

Ausgangspunkt ist die Identifikation dessen, was geschützt werden soll. Hierzu können insbesondere gehören:

  • Menschen und Gesundheit,

  • Gebäude und technische Anlagen,

  • Produktionsmittel und Waren,

  • Informationen und Geschäftsgeheimnisse,

  • IT- und OT-Systeme,

  • Liefer- und Versorgungsketten,

  • Reputation und Handlungsfähigkeit,

  • kritische Geschäfts- und Produktionsprozesse.

Erst danach lässt sich beurteilen, welche Gefährdungen für das Unternehmen tatsächlich relevant sind.

Bedrohung, Schwachstelle und Auswirkung zusammenführen

Betrachtung

Beispiel

Schutzobjekt

Produktionsanlage

Bedrohung

Sabotage oder unbefugter Zugriff

Schwachstelle

Unzureichend gesicherter Technikbereich

Ereignis

Manipulation einer Steuerung

Auswirkung

Produktionsstillstand und Folgeschäden

bestehende Maßnahme

Zutrittskontrolle

Restrisiko

Nach Bewertung der vorhandenen Schutzmaßnahmen

Diese strukturierte Betrachtung verhindert, dass abstrakte Bedrohungen ohne Bezug zum tatsächlichen Unternehmen bewertet werden. Auch der BSI-Standard 200-3 stellt die Identifikation relevanter Gefährdungen an den Anfang der Risikoanalyse.

Eine unternehmensbezogene Risikoermittlung sollte nicht ausschließlich Kriminalität betrachten. Relevante Szenarien können beispielsweise sein:

  • Einbruch, Diebstahl und Vandalismus,

  • Sabotage und Wirtschaftsspionage,

  • Gewalt- und Bedrohungslagen,

  • Cyberangriffe mit physischen Auswirkungen,

  • Insiderhandlungen,

  • Brand und technische Ausfälle,

  • Strom- oder Versorgungsausfall,

  • Naturereignisse,

  • Lieferkettenunterbrechungen,

  • Ausfall kritischer Dienstleister,

  • unbefugter Zutritt oder Zugriff.

Risiken nachvollziehbar priorisieren

Nach der Identifikation werden Risiken hinsichtlich Eintrittsmöglichkeit und möglicher Auswirkungen analysiert. Neben Sachschäden sollten dabei auch Personenschäden, Betriebsunterbrechungen, Informationsverluste, regulatorische Folgen und Reputationsschäden berücksichtigt werden.

Eine Risikomatrix kann die Priorisierung unterstützen. Sie darf jedoch nicht zu einer rein mathematischen Scheingenauigkeit führen. Seltene Ereignisse mit existenziellen Auswirkungen benötigen gegebenenfalls ebenso Aufmerksamkeit wie häufig auftretende Ereignisse mit begrenztem Schaden.

Risikoermittlung regelmäßig aktualisieren

Risiken verändern sich durch neue Standorte, Produktionsverfahren, Digitalisierung, geopolitische Entwicklungen, neue Dienstleister oder organisatorische Veränderungen. Risikoermittlung ist deshalb kein einmaliges Projekt, sondern ein wiederkehrender Managementprozess.

Sinnvoll ist eine klare Prozesskette:

Schutzobjekte bestimmen → Gefährdungen identifizieren → Schwachstellen erkennen → Szenarien bilden → Auswirkungen bewerten → Risiken priorisieren → Maßnahmen ableiten → Restrisiken überwachen.

Damit schafft die Risikoermittlung die fachliche Grundlage für Sicherheitskonzept, Investitionsplanung, Business Continuity und Notfallmanagement – und verhindert, dass Sicherheitsmaßnahmen lediglich aus Gewohnheit oder aufgrund einzelner Ereignisse beschlossen werden.