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Objektbezogene Dienstanweisung

Objektbezogene Dienstanweisung

Im Idealfall erstellt der AN nach Zuschlagserteilung die DA im Rahmen der Start-up-Phase. Es gelten folgende Ausführungen als beispielhafte Hinweise des AG, die durch den AN dann ggf. zu verifizieren sind.

Inhalt

Der Inhalt einer Objektbezogenen Dienstanweisung besteht hauptsächlich aus den Beschreibungen und Handlungen, die im Objekt ausgeführt werden, sowie den dazugehörenden örtlichen und technischen Beschreibungen. In Abhängigkeit vom Charakter des Unternehmens kann der strukturelle Aufbau der Objektbezogenen Dienstanweisungen in allen Unternehmensteilen gleich, aber auch entsprechend der Anforderungen differenziert sein. Wenn die Struktur der Dienstanweisung gleich ist, kann das den Vorteil haben, dass in mehreren Objekten tätige Sicherheitsmitarbeiter, z.B. auf Seite 10 immer die Ansprechpartner und Weisungsbefugnisse finden.

Für besondere Dienste, wie Veranstaltungen oder Schweißaufsicht usw. gibt es üblicherweise spezielle, zeitlich befristete Dienstanweisungen.

Eine Objektbezogene Dienstanweisung sollte mit der Beschreibung des Objektes und der Dienststelle, den Firmenzielen des Auftraggebers und der generellen Objektschutzziele allgemein informierend, beginnen. Danach folgen die Ansprechpartner und die Weisungsbefugnisse. Anschließend kommt der umfangreichste Teil, nämlich die Beschreibung der Aufgaben, nachfolgend die Sicherheitstechnik und die Tätigkeiten in Notfällen. Am Schluss ist ein Verzeichnis mit wichtigen Telefonnummern für Alarm- und Notfälle angehängt.

Die Dokumentationen, wie z. B. Unterschriften der Kenntnisnahme, Inkraftsetzung der Dienstanweisung und Änderungen sollten wegen der Übersichtlichkeit ein eigenes Kapitel bilden.

Gleiches trifft auf den Abschnitt Anlagen der Dienstanweisung (Objektpläne, Telefonverzeichnisse etc.) zu. Sicherheitsunternehmen, die nach der DIN EN ISO 9001 ff zertifiziert sind, haben für die Berichterstattung aller möglichen Fälle ein eigenes Formularwesen, das Bestandteil der Dienstanweisungen ist. Der Sicherheitsmitarbeiter ist dazu verpflichtet, Schriftverkehr mit diesen Formularen durchzuführen, wenn nicht per Dienstanweisung bestimmt ist, dass objekteigene Formulare verwendet werden. Diese Formulare beschäftigen sich in der Regel mit den folgenden Punkten:

  • Aufgaben des Unternehmensschutzes

  • Arbeitssicherheit

  • Verbot von nicht aufgabengebundenen Nebenarbeiten

  • Verdächtige Gegenstände

  • Brand- und Einbruchschutz

  • Daten-, Informations- und Geheimschutz

  • Umweltschutz

  • Handlungen in Notfällen

  • Eigensicherung

  • Notrufe in Gefahrensituationen

  • und bei Bedarf noch weitere.

Wichtig ist, dass nicht statisch diese Formulare des Sicherheitsunternehmens verwendet werden, ohne etwa Hinweise und Angaben des Auftraggebers zu berücksichtigen. Daher ist es sinnvoll, solche Formulare so auszufertigen, dass sie leicht objektkonkret angepasst werden können. Weil jedes Objekt anders ist, können die folgenden Hinweise und Ausführungen lediglich idealtypischen Charakter haben.

Das jeweilig notwendige Verhalten des Wach- und Sicherungspersonals ist durch eine Dienstanweisung festzulegen. Das betrifft auch die Verfahren sowie Festlegungen, wie korrekt auf Mängel und Gefahren zu reagieren ist.

Die Texte innerhalb von Dienstanweisungen müssen so ausgefertigt werden, dass sie leicht von jedermann verstanden werden können. Das erleichtert beispielsweise das Verständnis für Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln. In vielen Fällen werden die Abläufe mithilfe von Workflows erarbeitet. Diese Darstellungsweise der Workflows sollte als das Arbeitspapier der taktischen Ebene verstanden werden. Die sich daraus ergebenden Regelungen für das Wach- und Dienstpersonal sollten dann aber in Textform für die jeweils betreffenden Personen leicht verständlich vorliegen.

In einer Dienstanweisung sind auch die allgemeinen Anforderungen für die Mitarbeiter in ihrer Eigenschaft als Versicherte festgelegt, z. B.:

  • Rechte und Pflichten,

  • Verschwiegenheit,

  • Eigensicherung,

  • Verhalten bei Konfrontationen,

  • Verhalten bei Überfällen, Geiselnahmen,

  • Umgang mit Schusswaffen,

  • Verbot von Schreck-, Reizstoff- oder Signalschusswaffen sowie von schusswaffenähnlichen Gegenständen,

  • Verbot berauschender Mittel

  • Organisations- und Kommunikationsfestlegungen,

  • Verbot von Nebentätigkeiten, die nicht aufgabengebunden sind, insbesondere für Sicherungsposten im Bereich von Gleisen sowie bei der Durchführung von Geld- oder Werttransporten,

  • Einsatz von technischen Transportsicherungen bei Geld- oder Werttransporten.

Während die Anforderungen in der allgemeinen Dienstanweisung zunächst in ganz allgemeiner Form dargestellt sind, müssen Sie in einer objektkonkreten Dienstanweisung speziell an das jeweilige Objekt angepasst werden.

Für das Verhalten bei Konfrontationen muss über die allgemeine Beschreibung hinaus im speziellen Fall z.B. festgelegt sein,

  • um welche Konfrontationen es sich handeln könnte,

  • wo sich dabei die Personen befinden könnten,

  • wie sich das Personal selbst schützt (zum Beispiel schließen welcher Tore, wie das Schließen erfolgt

  • wer in Person anzusprechen bzw. zu verständigen ist (Eskalationsprogramm)

  • mithilfe welcher Methoden die Meldungen durchgeführt werden

  • was ist, wenn Meldungen nicht abgesetzt werden können

  • wie man sich verhält, wenn im Rahmen der Konfrontation Personen zu Schaden kommen könnten

  • ab wann man berechtigt ist, die vorgesehenen Hilfen anzufordern

  • und andere wichtige, ganz konkrete objektspezifische Festlegungen.

Wenn während des Dienstes solche Konfrontationen möglich sind, muss sichergestellt werden, dass das Wach- und Sicherungspersonal überwacht wird. In solchen Fällen sind mindestens zwei bzw. mehrere Mitarbeiter für die erforderliche Tätigkeit einzusetzen. Typische Beispiele für Aufgaben mit erhöhtem Konfrontationspotenzial sind:

  • Sicherungs- und Kontrolldienst im öffentlichen Verkehr,

  • Sicherungsdienst im Handel (z. B. Kaufhausdetektiv)

  • Einlasskontrolle, Türsteher

  • Citystreifendienst,

  • Sicherungs- und Ordnungsdienst bei Veranstaltungen (z. B. Diskos).

In einer speziellen Dienstanweisung sind also Umfang und Ablauf der jeweiligen Wach- und Sicherungstätigkeit einschließlich aller vorgesehenen Nebentätigkeiten exakt festzulegen.

Hierbei sind alle Gegebenheiten und erforderlichen Maßnahmen zu berücksichtigen, die sich auf den jeweiligen Einsatz unter besonderer Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten beziehen. Die Dienstanweisungen müssen dem Wachpersonal jederzeit zur Verfügung stehen und so aufbewahrt werden, dass unbefugte Einsichtnahme ausgeschlossen ist.

Das Wachpersonal seinerseits muss die Maßnahmen der Dienstanweisungen strikt befolgen. Das trifft in besonderer Weise auch auf die Festlegungen zu, die der Arbeitssicherheit und dem eigenen Schutz dienen. Weisungen von nicht autorisierten Personen dürfen nicht entgegengenommen werden. Das trifft auch zu für Personen des Auftraggebers, wenn die geforderten Handlungen nicht durch den Vertrag bzw. die Dienstanweisung gedeckt sind. Insofern ist es ganz besonders wichtig, dass Wachpersonal so einzuweisen, dass es auch in der Lage ist, solche nicht autorisierten Anweisungen in gebotenem Maße zurückzuweisen.

Um eine ausreichende Kenntnis der Dienstanweisungen sicherzustellen, sind tätigkeits- und auftragsbezogene Unterweisungen insbesondere durchzuführen,

  • wenn ein neuer Auftrag bzw. eine neue Tätigkeit zu übernehmen ist,

  • bei Änderungen von bisherigen Abläufen

  • nach Ablauf von maximal einem Jahr.

Überprüfung von zu sichernden Objekten

Abgesehen davon, dass der Auftraggeber dafür zu sorgen hat, dass das eingesetzte Wach- und Sicherungspersonal keinen Gefahren ausgesetzt ist, hat sich bei Fremdvergabe der Sicherheitsaufgaben die oberste Leitung des Auftragnehmers ebenso davon zu überzeugen, dass sein Personal keinen Gefahren ausgesetzt wird. Solche Überprüfungen müssen nach erkennbarer Regelmäßigkeit, aber erst recht nach einem bestimmten Anlass durchgeführt und entsprechend aufgezeichnet werden. Sollten Gefährdungen erkannt werden, muss der Auftragnehmer deren Beseitigung vom Auftraggeber nachweislich verlangen. In der Zwischenzeit muss er entsprechende Maßnahmen in Abstimmung mit dem Auftraggeber ergreifen, damit sein Personal sicher ist. Solche Maßnahmen können sein:

  • die Änderung von Kontrollpunkten bzw. Kontrollwegen innerhalb der Objektbereiche

  • die Änderung von Zeiten, in denen Werttransporte durchgeführt werden

  • Änderung der Wege, auf denen die Transporte erfolgen

  • und in Auswertung der jeweiligen konkreten Gefährdung bestimmte organisatorische bzw. personelle Maßnahmen oder auch der Einsatz von besonderen Ausrüstungen.

Ebenso gilt für das Wach- und Sicherungspersonal selbst, dass es erkannte Gefahren sofort an seine vorgesetzte Dienststelle meldet.

Die regelmäßig durchzuführenden Prüfungen bzw. Überwachungen betreffen insbesondere

  • objektkonkrete, also örtliche Gefährdungen bzw. Gefahrenstellen

  • das sicherheits- und mithin vertragsgerechte Verhalten des Sicherungspersonals

  • die bestimmungsmäßige Anwendung der für die Arbeit des Sicherungspersonal zur Verfügung gestellten Ausrüstungen

  • und deren zuverlässigen und funktionsfähigen Zustand.

Damit bei solchen Überprüfungen auch tatsächlich nichts übersehen wird, sollten sie hin und wieder auch durch Personen von außerhalb durchgeführt werden (Vermeidung von „Betriebsblindheit“). Diese Überprüfungen können beispielsweise den Charakter von Audits haben und von ausgebildeten Sicherheitskontrolleuren in Abstimmung mit dem Auftraggeber durchgeführt werden. Neben den regelmäßigen Prüfungen werden Prüfungen (im Zusammenhang mit der anzupassenden Dienstanweisung) unverzüglich erforderlich, wenn

  • Änderungen an den zu überwachenden Bereichen durchgeführt wurden (z.B. baulich, organisatorisch…)

  • sich die Aufgaben für das Sicherheitspersonal ändern (Vertragsänderung)

  • es besondere Vorkommnisse (Überfälle, Unfälle, Störungen und so weiter) gegeben hat.

Um die Einsatzbedingungen des Personals zu überwachen, können zwei grundsätzliche Methoden durchgeführt werden:

Überwachung durch Kommunikationseinrichtungen (technische Überwachung) und/oder persönliche Überwachung (zum Beispiel durch die Anwesenheit vorgesetzter Personen, wie beispielsweise durch die Objektleitung des Auftragnehmers).

Die technische Überwachung kann zum Beispiel erfolgen durch

  • Signalgeber, die willensunabhängig und automatisch arbeiten

  • Fahrtenschreiber in den Fahrzeugen bzw. Aufzeichnungsgeräte

  • Systeme zur Ortung von Personen bzw. Fahrzeugen.

Unter besonderer Beachtung der folgenden Vorschriften:

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG),

  • Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“),

  • BG-Regel „Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen“ (BGR 139)

müssen Aufzeichnungen über die durchgeführten Prüfungen bzw. Überwachungen so erfolgen, dass die hieraus geschlussfolgerten Maßnahmen erkennbar werden.

Bezüglich der Meldungen durch das Wachpersonal ist festzulegen, wie diese erfolgen sollen

  • Telefon,

  • Funk

  • oder lediglich Einträge im Wachbuch.

Meist werden im Wachbuch solche Hinweise dem Nachfolger für die nächste Schicht mitgeteilt, wenn es besondere Dringlichkeit nicht gibt.

Es gilt die Verpflichtung für die vorgesetzte Stelle, dass sie Mitteilungen über gemeldete Gefahren bzw. Mängel grundsätzlich aktenkundig macht und dem Personal im notwendigen Umfang zur Kenntnis bringt.

Im Sicherheitsgewerbe gilt der Grundsatz, dass die objektbezogene Dienstanweisung sich als der schriftliche Wille des Auftragnehmers versteht, mit dem er seinem eingesetzten Personal die aus dem Bewachungsvertrag sich ergebenden Tätigkeiten - auf das Objekt konkret angepasst - vorgibt und verständlich macht. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass der Auftragnehmer hierfür zwingend zuständig ist. Das gilt es besonders dann zu beachten, wenn beispielsweise ein Auftraggeber im Rahmen einer Ausschreibung die Dienstanweisung bereits recht genau vorgibt. Für den Auftragnehmer ist sie so lange immer noch eine allgemeine Dienstanweisung, bis er selbst sie als objektkonkrete Dienstanweisung deklariert bzw. entsprechend angepasst hat!

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