Anforderungen an die Ausschreibung von Sicherheitsdienstleistungen
Die Ausschreibung von Bewachungs- und Sicherheitsdienstleistungen entscheidet wesentlich darüber, welches Sicherheitsniveau im späteren Betrieb tatsächlich erreicht werden kann. Eine reine Beschreibung von Wachstunden, Besetzungszeiten und Positionen reicht dafür nicht aus. Professionelle Ausschreibungen müssen Schutzziele, Leistungen, Personalqualifikation, Organisation, Technik, Reaktionsfähigkeit und Qualitätssteuerung miteinander verbinden.
Bewachungsdienste strukturiert und qualitätsorientiert ausschreiben
Ausgangspunkt sollte das Sicherheits- und Betriebskonzept des Auftraggebers sein. Erst daraus lassen sich erforderliche Leistungen ableiten, beispielsweise:
Objektleitung, Schichten, Vertretung und Personalreserve
Sicherheit
Dienstanweisungen, Alarmierung, Eskalation
Technik
Zutritt, Video, Leitstelle, Kommunikationsmittel
Qualität
SLA, KPI, Audits, Leistungsnachweise
Kalkulation
Stunden, Zuschläge, Führung, Reserve und Sonderleistungen
Vertragsführung
Reporting, Change Requests, Nachträge und Eskalationen
Qualifikation nicht pauschal definieren
Bewachungsleistungen unterliegen insbesondere § 34a Gewerbeordnung und der Bewachungsverordnung. Welche personenbezogenen Qualifikationsanforderungen erforderlich sind, hängt von der tatsächlich übertragenen Tätigkeit ab.
Die Ausschreibung sollte deshalb je Funktion festlegen, welche gesetzliche Mindestqualifikation und welche darüber hinausgehende objektspezifische Kompetenz erwartet wird. Bei anspruchsvollen Standorten können beispielsweise zusätzliche Kenntnisse in Brandschutz, Erster Hilfe, Deeskalation, Leitstellentechnik oder Fremdsprachen erforderlich sein.
Qualität bewerten – nicht nur Stundenpreise
Sicherheitsdienstleistungen sind personalintensiv. Ein auffällig niedriger Preis kann deshalb unmittelbare Auswirkungen auf Personalgewinnung, Reservefähigkeit, Führung und Qualität haben. Neben dem Preis sollten insbesondere bewertet werden:
Einsatz- und Organisationskonzept,
Objektleitungsstruktur,
Personalreserve und Ausfallmanagement,
Qualifizierungs- und Trainingskonzept,
Sicherheits- und Notfallorganisation,
Qualitätsmanagement,
Digitalisierung und Berichtswesen,
Übernahme- und Start-up-Konzept.
Als fachlicher Orientierungsrahmen kann die DIN 77200-1:2022-10 für allgemeine Anforderungen an Sicherheitsdienstleister herangezogen werden; für besondere sicherheitsrelevante Leistungsbereiche bestehen ergänzende Anforderungen in DIN 77200-2.
Ausschreibung auf den späteren Betrieb ausrichten
Eine gute Ausschreibung beschreibt nicht nur, welches Personal wann anwesend sein soll, sondern wie Sicherheitsleistungen im realen Ereignisfall funktionieren müssen. Leistungsbeschreibung, Bewachungsvertrag, Dienstanweisung, Kalkulation, KPI-System und Notfallorganisation sollten deshalb widerspruchsfrei aufeinander abgestimmt sein.
So entsteht aus einer Personalbeschaffung eine belastbare Sicherheitsorganisation – mit eindeutigem Leistungsversprechen, überprüfbarer Qualität und klaren Verantwortlichkeiten zwischen Auftraggeber und Sicherheitsdienstleister.